Intersektionalität

Überschneidung und Zusammenwirken von Diskriminierungsmerkmalen

Mit dem Bild einer Verkehrskreuzung („intersection“) verglich Kimberlé Crenshaw Ende der 1980er Jahre das Zusammenwirken von verschiedenen Diskriminierungsformen und beschrieb damit das Konzept der Intersektionalität.

Crenshaw, 1959 in Ohio geboren, ist US-amerikanische Juristin und Professorin. Mit dem Begriff der Intersektionalität wollte sie die tiefgreifende Unsichtbarkeit der Überschneidung von Diskriminierung aufgrund von „Rasse“ und Geschlecht rechtlich beschreiben.

Hintergrund ist eine Klage von Emma DeGraffenreid zusammen mit einigen anderen Schwarzen Frauen gegenüber General Motors wegen Diskriminierung. Es wurden bestimmte Jobs für weiße und schwarze Männer vergeben sowie für weiße Frauen, nicht jedoch für schwarze Frauen. Die Klage wurde abgewiesen mit der Begründung, dass keine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts oder der „Rasse“ vorliege (Gunda-Werner-Institut 2019).

Intersektionalität nimmt diese spezifischen Überschneidungen und das Zusammenwirken verschiedener Diskriminierungskategorien in den Blick und macht sie somit erst sichtbar. Die verschiedenen Kategorisierungen können sich dabei sowohl wechselseitig verstärken, aber auch gegenseitig abschwächen oder sich insgesamt verändern (Foitzek et al 2019).

Verschiedene strukturelle Diskriminierungsformen, zum Beispiel aufgrund des Geschlechts, der sozialen Klasse, körperlicher Merkmale oder etwa der Zuschreibung einer ethnischen Herkunft, können sich überlappen. In ihrer Überschneidung führen diese Kategorien zu qualitativ neuen (mehrdimensionalen) Diskriminierungserfahrungen:

  • Muslimische Frauen, die ein Kopftuch tragen, werden etwa nicht nur als Frauen am Arbeitsmarkt diskriminiert, sondern auch aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit.
  • Asylbewerber:innen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung geflohen sind, erleben sowohl homofeindliche und rassistische Gewalt in Deutschland als auch besondere Hürden im Asylverfahren aufgrund ihrer sexuellen Identität und ihrer Herkunft.

Intersektionalität im Fokus beim Multikulturellen Forum

Das Konzept der Intersektionalität berücksichtigt das Multikulturelle Forum sowohl in den Beratungsangeboten als auch in der Präventionsarbeit oder in speziellen Kursen des Bildungswerks-Multi-Kulti.

Durch methodische Konzepte vermitteln wir das Konzept der Intersektionalität anschaulich und beispielhaft. Die Verschränkung von Gender und Migration spielt beispielsweise eine besondere Rolle im Projekt Starke Mütter – Starke Unternehmen Plus und wird sowohl in der Beratungsarbeit als auch in der Kooperation mit Unternehmen berücksichtigt.

Literatur

Gunda-Werner-Institut in Kooperation mit dem Center for Intersectional Justice (Hrsg.) (2019): „Reach Everyone on the Planet …“ – Kimberlé Crenshaw und die Intersektionalität. Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung.

Foitzik, Andreas; Holland-Cunz, Marc; Riecke, Clara (2019): Praxisbuch Diskriminierungskritische Schule. Weinheim: Beltz

Angebote

  • Frau hängt Karte mit der Aufschrift "Prävention" an eine Pinnwand, vier junge Workshopteilnehmende schauen zu
    © Isabella Thiel

    Workshops und Seminare im Bereich Gesellschaft und Prävention

    Auswahl von Workshops zur Demokratiebildung und Präventionsarbeit im Bereich der Jugendarbeit, die das Multikulturellen Forum in Schulen, (Jugend-)Vereinen und anderen Einrichtungen auf Nachfrage durchführt.
    Standorte Lünen Hamm Dortmund Düsseldorf Bergkamen Köln
  • Projektlogo von "Vielfalt plus"

    VielfaltPlus – Interkulturelle Öffnung von Verwaltungen

    (Weiter-)Qualifizierung von Verwaltungsmitarbende mit dem Ziel, mit interkultureller Kompetenz auf die Bedürfnisse einer immer vielfältigeren Kundschaft vorzubereiten und das Personal in ihrer alltäglichen Arbeit zu stärken.
    Standorte Lünen Hamm Dortmund Bergkamen

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