Migrantenorganisationen

Was ist eine Migrantenorganisation

Als Migrantenorganisationen oder auch Migrantenselbstorganisationen werden in Deutschland Zusammenschlüsse bezeichnet, die überwiegend von Zugewanderten gegründet wurden und deren Mitglieder überwiegend Migrantinnen und Migranten sind. Entstanden sind sie im Laufe der über 60-jährigen Einwanderungsgeschichte der Bundesrepublik vor allem aus dem Bedürfnis heraus, die gesellschaftliche Teilhabe von zugewanderten Menschen zu erhöhen.

"Die Migrantenorganisation" gibt es nicht

Die als Migrantenorganisation betitelten Vereine, Verbände, Gruppen und Netzwerke weisen eine große Heterogenität mit Blick auf Aufgaben, Ziele, Größe und Organisationsgrad auf. Sie engagieren sich im Jugendbereich ebenso wie in der Erwachsenenbildung, können sportlich aktiv sein oder die Sprachförderung im Fokus haben. Manche Migrantenorganisationen sind stark auf ihr Herkunftsland fixiert, andere haben vielmehr die hiesige Gesellschaft im Blick. Immer mehr Organisationen sind inzwischen multikulturell geprägt.

Gründung von Migrantenorganisationen in Deutschland

Die Entstehungsgeschichte der Migrantenorganisationen ist eng mit der Geschichte der Gastarbeiteranwerbung verknüpft. Durch die radikale Lebensumstellung und das Fehlen einer strukturellen Unterstützung, die auf eine dauerhafte Lebensweltgestaltung in Deutschland abzielte, wurden viele Gastarbeiter*innen mit vielfältigen sozialen Problemen konfrontiert.

Die Mehrzahl der Einwanderer wies Sprachprobleme auf, lebte getrennt von ihren Familien, konnte die kulturellen Gepflogenheiten des Herkunftslandes nicht ausleben und blieb über den Zeitraum ihrer Rückkehr im Ungewissen.

Aus dem Bedürfnis, gemeinsame Lösungswege für diese Probleme zu entwickeln und die Lebenssituation zu verbessern, gründeten die Migrant*innen in Deutschland Kulturvereine oder Selbsthilfeorganisationen, die ihre Aufgabenbereiche  nach den genannten Bedarfen ausrichteten.

Bedeutungswandel

Waren Migrantenorganisationen zunächst rein ehrenamtlich organisiert, haben sich einige von ihnen zu professionellen sozialen Dienstleistern, etwa auf dem Gebiet der (Weiter)Bildung oder als Jugendhilfeträger, weiterentwickelt. In der sozialen Arbeit agieren sie längst auf Augenhöhe mit etablierten Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege.

Vor allem wegen ihrer wichtigen „Brückenfunktion“, die sie zwischen Regelinstitutionen auf der einen und „Migrantencommunities“ auf der anderen Seite ausüben, sind sie für die Politik und Verwaltung zu wichtigen Ansprech- und Kooperationspartnern geworden.

Strukturelle Nachteile

Im Vergleich zu Organisationen aus dem privaten oder öffentlichen Sektor können Migrantenorganisationen kaum nennenswerten Rücklagen bilden. Eine Regelfinanzierung aus öffentlicher Hand oder über Dachverbände fehlt ebenfalls.

Finanziell sind sie deshalb sehr stark von projektgebundenen Drittmitteln abhängig. Damit ist ihre Planungssicherheit, etwa mit Blick auf hauptamtliches Personal, erheblich eingeschränkt. Dies führt zu einem Dilemma:

Mit der Arbeit von Migrantenorganisationen werden immer höhere Erwartungen verknüpft, doch ihre Mittel sind nach wie vor begrenzt.

Wenig Partizipation

Auch auf dem Gebiet der gesellschaftlichen Mitbestimmung beklagen Migrantenorganisationen weiterhin Defizite. Werden ihre Ressourcen (Erfahrungen mit / Zugang zur Zielgruppe) beispielsweise in der Sozialarbeit zunehmend in Anspruch genommen, spielen sie in entscheidungsrelevanten Netzwerken kaum eine Rolle.

Um den unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden, sind Migrantenorganisationen deshalb auf Unterstützung angewiesen:

Die verstärkte Aufnahme in Regelförderstrukturen sind dabei ebenso von Bedeutung wie die angemessene Repräsentanz von Migrantenorganisationen in entscheidungsrelevanten Netzwerken.

Multikulturelles Forum als Migrantenorganisation

Das Multikulturelle Forum ist eine Migrantenorganisation, die 1985 unter dem Namen „Türkisch-Deutscher Familien-Kultur-Verein“ durch 20 ehrenamtliche Vereinsmitglieder mit dem Vorsatz gegründet wurde, Migrant*innen zu unterstützen und den interkulturellen Dialog zu fördern. Heute beschäftigt der Verein über 100 hauptamtliche Mitarbeiter*innen und ebenso viele Dozent*innen an insgesamt acht Standorten in NRW.

Als Weiterbildungseinrichtung, Träger sozialer, arbeitsmarkt- und gesellschaftspolitischer Projekte sowie zahlreicher Beratungsdienste hat sich der Verein zu einem professionellen Dienstleister, darüber hinaus auch als Facheinrichtung und Interessensvertreter weiterentwickelt.

Die Erfahrungen, die wir auf dem Weg der Professionalisierung gesammelt haben, möchten wir an andere Migrantenorganisationen weitergeben. Durch Einzelberatung und Qualifizierungsangebote (z.B. Vereinsrecht, Buchhaltung, Projektentwicklung, Öffentlichkeitsarbeit, Eventmanagement) unterstützen wir deshalb verschiedene Initiativen, Vereine und Netzwerke dabei, ihre Integrationsarbeit handlungsfähiger zu gestalten.

Darüber hinaus fungieren wir auf Bundes- und Landesebene als Sprachrohr für die Belange von Migrantenorganisationen und setzen unsin diesem Zusammenhang u.a. für strukturelle Fördermöglichkeiten ein.

Angebote

  • sehr viele Menschen, von oben fotografiert, formen eine Sprechblase, in der "Migrant*innen stark organisiert" steht, einige Menschen drumherum

    MigrantInnen Stark Organisiert (MSO)

    Das Qualifizierungs- und Beratungsprojekt möchte Migrant*innen dazu befähigen bzw. sie darin unterstützen, sich selbst zu organisieren und ihre Interessen zu vertreten, um auf Augenhöhe mit anderen Akteuren zu kooperieren.
    Standorte Dortmund
  • Wordcloud mit verschiedenen Begriffen zum Thema Integration

    Integrationsagentur

    An den Standorten Lünen, Bergkamen und Düsseldorf stärkt die Integrationsagentur bürgerschaftliches Engagement im Bereich der Integration und fördert die Qualifizierung ehrenamtlich Aktiver und die Eigeninitiative von Migrantenorganisationen.
    Standorte Lünen Düsseldorf Bergkamen

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